Der Patron




 

 

 

Lyrik

Brevier

...aus den Anfängen staatlicher “Regelungsbemühungen...”

“Weinlandesverordnung von 1730”

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1. In der Landesordnung alle Vermisch- und Verfälschung derer Weine bey Strafe der Confiscation zu verbieten.

2. Niemanden zu verstatten, daß er fremde Weine ohne Beyseyn derer hierzu beeydigten Wein-Schröter oder
des Visirers in seinen Keller bringe.

3. Keine ausländischen Weine nebst inländischen oder Birn- und Apfel-Weinen zugleich führe und verkaufe.

4. Denen hierzu verpflichteten Personen aufzutragen, unvermerkt zu visitiren und zu versuchen, ob sie gerecht sind.

5. Auch die Schenkkannen und Gemäß zu visitiren, ob es richtig sei, dann zu examiniren und abzueichen.

Quelle: Georg Paul Hönn - in: ...von dem schweren Mißbrauch des Weins, darin vermeldet wird !

jedoch: ...summa ius, summa iniuria...

 

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Beissel Zwiesprache

Man lehrt seinen Kindern das ABC und spricht von Türkischem Honig.
Man macht Geschäfte mit der Sonne und trägt die Pelze ins Panoptikum.
Es stirbt einer, den sie hinaus begleiten - und alle beneiden.

Eine Papierrose für Ferdinand Reimund.
Eine Jungfrau für Conrad Beyer.

Eine Postkarte für Peter Altenberg.
Ein Feuerwerk für Johann Nestroy.

Einen Spaziergang für Arthur Schnitzler.
Ein Megaphon für Karl Krauss.

Einen Juni-Morgen für Josef Rodt.
Einen Stadtteil für Josef-Maria Sauer.

Eine Zigarettendose für Gustav Klimt.
Eine Taschenlampe für Ludwig Wittgenstein.

Ein Motorrad für Abraham Santa Clara.
Einen View-Master für Sigmund Freud.

Einen Ohrring für Johann W. Goethe.
Einen Regenbogen für Liesel K. und Karl Valentin.

Einen Wassertropfen für Bedrich Smetana.
Ein Hochzeitslied für Nina von Edward Grieg.

Eine Nähmaschine für Adolf Lohs.
Einen Tretroller für Rainer C. Wilhelm W. vom Beissel-Bazar.

UND

Ein Kartenhaus für meinen Vater.
Ein großes, helles Fenster zur Seele meiner Mutter.

André Heller

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7. September 1941  -  Burgund

Deutsche Besatzung. Maurice Drouhin  schreibt seiner Frau Pauline

"Wenn ich für die Lese noch nicht wieder zurück bin, verlasse Dich auf die Ratschläge der anderen. Sei sehr vorsichtig in der Nähe der Fässer, wenn der Most zu gären anfängt. Die Gase sind gefährlich. Mache Dir keine Sorgen über Verluste. Es ist wohl besser, keine neuen Aufträge anzunehmen und nur unsere Stammkunden zu beliefern. Vor allem die, die auch leere Flaschen liefern können.

Fülle zuerst den 1938er Romanée-Conti ab. Sei behutsam, er ist wie ein Kind. Nimm erst die besten Trauben und versuche, um jeden Preis das Personal zu halten".

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Baron Philippe de Rothschild am 16. November 1946 an Georges Faively, Chevaliers du Tastevin (burgundische Weinbruderschaft):

"Der Wind der Apokalypse, der 60 Monate lang aus dem Osten wehte, Lachen und Glück aus dem Königreich der Reben vertrieben und nur noch Totenstille geduldet hatte, hat endlich ein Ende gefunden. Laßt uns nun von der Sonne und dem frischen Wind singen, der wieder durch die Weinberge streicht".

Betrugslexikon 1730

 

Wenn sie, dem Wein einen lieblichen

Geschmack und schöne Farbe zu geben,

in das Fass ungelöschten Kalk tun, wie

fürnehmlich in Frankreich zu geschehen

pfleget.

 

Wenn sie den Wein den Fremden in

höherem Preise als den

Einheimischen geben und also zweyerley

Taxam halten.

 

Wenn sie unter die Weine oder Möste

Kräuter und Blumen, sonderlich Scharlach

Beere,  Holunder Blüt,  Basilien Kraut  tun,

damit er wie Muskateller Wein schmecke

und einen lieblichen Geruch bekomme.

 

 

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Wir  haben die Ehre

 Akteure:   Breitgerockt,  miedergeschnürt,  enggesmokingt,  sonnenschirmgeschützt,  breitgeschnurrbart,  stockführend,  gamaschengewickelt, monokelsehend.  

       Nachmittägliches  Treffen mit  der Witwe eines  ehemaligem Kriegskameraden.                    Preuße.  Auch verarmter   Landadel.  Wien. 19. Jhdt.  14. Bezirk.

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Grüß  Gott,  Frau Kommerzienrat,  untertänigstes Kompliment,

schauen´s  wieder fesch aus.

Äh...liegt denn der  Herr Gemahl  immer noch auf demselben Friedhof ?

Nicht mehr ?   Oder immer noch  ?

Na,   schauen´s ,  bitt´ schön,   es hätt´  ja sein können  !

Trotzdem.  Schöne Grüße. 

Äh... wer war´s  nochmal  ?

Egal,  macht   eh´ nix.  Wir tragen unsere Pelze ins Panoptikum.

Wissen´s  denn, wer  heuer  gestorben ist ? 

 Na´... mir  is´ jeder  recht.

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